Georg Sieber, ein bekannter, früherer Münchner Polizei-Psychologe und Gründer des Beratungs-Instituts ‚Intelligenz System Transfer“, den ich am Anfang meines beruflichen Lebensweges kennen lernte, veröffentlichte bereits 1976 sein Buch „Das Struwwelpeter-Prinzip“. Da er heute noch  immer als Berater und Trainer tätig ist, gehe ich davon aus, dass ihm seine Thesen aus diesem Buch gegenwärtig blieben.

Denn der kleine Georg probierte einst die vom Arzt und Autor E.T.A. Hoffmann beschriebenen Streiche des Struwwelpeters selbst aus und stellte fest, dass er zwar mit Tisch und Stuhl beim Essen wippen konnte, die Mutter dabei aber keineswegs „still und stumm auf dem Tisch herumblickte“. Auch der Versuch bei Sturm mit dem Regenschirm des Vaters zu fliegen, bekamen weder dem Regenschirm, noch ihm.

„Und die Mutter blickte stumm auf dem ganzen Tisch herum!“

An diese Erlebnisse seiner Kindheit erinnerte er sich später im Beruf, als immer mehr Berater und Trainer Ratgeber schrieben, die einen wahren Boom und die entsprechende Expertengläubigkeit begründeten. Seine Erkenntnis daraus?

„Im Berufsleben neigt jeder dazu, die Ratschläge Unbeteiligter bis zum Zusammenbruch auszuprobieren.“

Das ist das „Struwwelpeter-Prinzip!

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Natürlich kann es hilfreich sein, zur Lösung eines Problems oder einer Blockade auch mal jemanden von außerhalb einen Vorschlag machen zu lassen. Problematisch wird ein Vorschlag allerdings dann, wenn er quasi als Allheilmittel verstanden – oder schlimmer noch als solcher verkauft wird. Deshalb fragen Sie sich zuerst immer: „In welcher Situation wollte der Autor aus welchen Motiven welcher Adressatengruppe was sagen?“ (Sieber)

Um überhaupt bestimmte Vorschläge als nachahmenswert in Erwägung zu ziehen, ist es hilfreich sich die Biographie des Urhebers anzuschauen.  Denn warum sollte z.B. ein Hochschul-Professor, der sich beruflich mit dem Nachdenken über bestimmte Sachverhalte befasst und gelernt hat, viele Worte niederzuschreiben, mehr über das eigene Problem wissen, als man selbst?

Sind die Lebensweisheiten von Top-Managern, Schriftstellern, Milliardären oder Künstlern tatsächlich anwendbar auf das eigene Leben als Angestellter, Verkäufer, Familienvater oder Selbstständiger?

Ich zucke immer zusammen, wenn ich Buchtitel lese wie „Präsentieren wie Steve Jobs“, „Reicher als die Geissens“ oder „Einstein für die Praxis“. Ist es nicht eher so, dass die genannten Beispiele vielleicht nur das Produkt einer besonderen Begabung oder besonders günstiger Umstände sind, die nach Sieber genau so selten sind wie der frühe Tod einer allein stehenden millionenschweren Tante?


Nicht an ihren Reden, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen.

Was also ist zu tun, mit den Empfehlungen von Trainern, Coaches, Rat- und Tippgebern, wenn man selber nicht weiter weiß oder Rat sucht?

Wie oben schon erwähnt, sollte man die Quelle hinterfragen aus der die Erkenntnisse übermittelt werden, oder die Lebensläufe ansehen, ob diese überhaupt irgendetwas mit dem eigenen Vorhaben zu tun haben, geschweige denn kompatibel sind. Nehmen wir als fiktives Beispiel ganz theoretisch ein Ratgeber-Buch von Boris Becker. Würden Sie ernsthaft in Erwägung ziehen, die dort genannten Weisheiten eines Tennisprofis, der mit 17 Jahren erstmals Wimbledon gewann und seitdem als Lebemann durch die Welt zieht, ließen sich auf die eigene Wirklichkeit übertragen?

Deshalb lautet auch Siebers Fazit zu seinem Struwwelpeter-Prinzip:

Finden Sie für jedes Problem zuerst eine eigene Lösung!

Und auch diese Erkenntnis stimmt in wunderbarer Weise mit unserem TrainCoaching „24-7Coach“ überein. Die gezeigten Verhaltensweisen aus der angewandten Praxis können durch selber Ausprobieren und Üben in die eigene Lebenswirklichkeit übernommen werden. Und das nicht nur durch bloßes Nachahmen, sondern ganz besonders durch das Verstehen eigener Verhaltensmuster oder Erkennen selbst ausgelöster Fallgruben.

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